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Hédi Fried - ein Nachruf

7. Januar 2023

Nicht viele Menschen in Eidelstedt kennen Hédi Fried. Sie lebte hier auch nur etwa ein halbes Jahr von Oktober 1944 bis Anfang April 1945 im KZ Außenlager Eidelstedt am Friedrichshulder Weg, ein Ort, der heute zu Lurup gehört. Sie war eine der rund 500 jüdischen Frauen, die dort gegen Ende des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiterinnen in Baracken untergebracht waren und beim Bau von Behelfsheimen für ausgebombte Eisenbahner-Familien beim Jaarsmoor eingesetzt wurden, ebenso bei Aufräumungsarbeiten in Hamburg oder zum Schneeschippen.

Familie Szmuk 1934

Familie Szmuk 1934

Ihre Familie mit dem Namen Szmuk lebte in Sighet, Transsylvanien, welches lange zu Rumänien gehörte und im Krieg dann zu Ungarn kam. Sighet hatte eine große jüdische Gemeinde, von hier stammte auch Eli Wiesel, der rumänisch-US-amerikanische Schriftsteller, Hochschullehrer und Publizist, der sich in zahlreichen Schriften mit dem Holocaust befasste und dafür den Friedensnobelpreis erhielt.

Im Mai 1944 mussten alle Juden ihre Häuser verlassen und wurden in ein Ghetto gesperrt. Von hier wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo die älteren Menschen in den Gaskammern umgebracht wurden. Das war das Schicksal von Hédis Eltern. Junge arbeitsfähige Juden wie Hédi (20) und ihre Schwester Livia (16) wurden in Viehwaggons zur Zwangsarbeit nach Deutschland transportiert und kamen so nach Eidelstedt, wo sie den letzten Kriegswinter mit harter Arbeit, unzureichender Ernährung und Bekleidung erlebten und von den Wachmannschaften gequält und schikaniert wurden.

Sie überlebten diese Torturen, wurden Anfang April 1945, als sich die deutsche Niederlage abzeichnete, in das Lager Bergen-Belsen geschafft, wo sie am 15. April von den britischen Truppen befreit wurden.

Hédi, die sich bis dahin viel um ihre jüngere Schwester Livia gekümmert hatte, erkrankte hier schwer an Typhus und überlebte mir ihrer Hilfe.

Vermittelt durch das Rote Kreuz reisten sie mit anderen Überlebenden nach Schweden, wo sie gesund gepflegt wurden, sich in schwedische Gesellschaft integrierten, heirateten und Familien gründeten. Hédi Fried studierte Psychologie und gründete Anfang der 1980er Jahre ein Café in Stockholm, welches als Anlaufstelle für Überlebende des Holocaust diente. In diesem Zusammenhang entwickelte sich auch die Idee, die Erinnerungen an die Verbrechen des Nationalsozialismus an die künftigen Generationen weiter zu geben. Hédi und Livia reisten mehrfach nach Hamburg, es gab regelmäßige Treffen der Überlebenden von Neuengamme. In Deutschland war eine neue Generation von Historiker*innen und Lehrer*innen herangewachsen, die dafür sorgten, dass diese Erfahrungen einen angemessenen Raum im Geschichtsunterricht bekamen. An der Gesamtschule in Osdorf, heute Geschwister-Scholl-Schule, wurde damals ein Projekt mit Schülern durchgeführt, welches zur Errichtung eines Denkmals am Ort des KZ Außenlagers führte.

Hédi Fried schrieb ihre Geschichte unter dem Titel „Fragmente eines Lebens“ auf. Auch ihre Schwester Livia, die inzwischen Livia Fränkel hieß, engagierte sich in dieser Arbeit. Sie kam 2017 noch einmal ins Bürgerhaus nach Eidelstedt und erzählte von ihrem Leben für Schüler*innen einer 10. Klasse des Gymnasiums Dörpsweg.

Livia Fränkel 2017

Livia Fränkel 2017

Sie sagte damals.

„Hitler hatte das Ziel, alle Juden umzubringen. Wie Ihr an mir seht: Hitler hat es nicht geschafft! Ich lebe weiter in meinen Kindern, Enkeln und Urenkeln.“ (Sie hat 15 Urenkel)

Hédi Fried erhielt für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Sie ist am 20. November 2022 in Stockholm gestorben.

Hédi Fried 2014                Foto: Mark Mühlhaus/attenzione

 

Das Buch von Hédi Fried, Fragmente meines Lebens, ist gerade neu aufgelegt worden und kann bei der Friedrich Ebert Stiftung bestellt werden:   https://www.fes.de/julius-leber-forum/hedi-fried/

Wolfgang Wallach, Mobile Geschichtswerkstatt Eidelstedt

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