Neu in Eidelstedt – Einwanderung und Integration

Wir leben lange schon in einem Land, in dem Menschen aus weit entfernten Kulturen zum Alltag gehören. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch Eidelstedt immer wieder Ziel von Einwanderern war, die hier eine Heimat fanden. Alle Zuwanderer bringen etwas mit, was wir als Bereicherung empfinden, aber auch kulturelle Elemente, die zu Konflikten führen können. Wenn es gelingt, bei allen unterschiedlichen Lebensweisen und Einstellungen gut miteinander auszukommen, sprechen wir von gelungener Integration. Dabei spielen zum Beispiel Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt und Identifikation eine große Rolle. Integration passiert aber nicht von alleine, sondern fordert von allen Seiten Offenheit und Geduld.

Einwanderung nach Eidelstedt nach 1945 (historische Perspektive)

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Anfang der 50er Jahre zuerst die Lohkampsiedlung gebaut, dann das Eisenbahnerviertel erweitert. So wuchs Eidelstedt und wurde von einem Bauerndorf immer mehr zu einem Stadtteil von Hamburg. Immer mehr Bauern gaben die Landwirtschaft auf und verkauften ihr Land.
Verschiedene Zuwanderungswellen ließen Eidelstedt wachsen:

  • Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten,
  • Menschen aus anderen Teilen Hamburgs und Deutschlands
  • Seit den 1960er Jahre Arbeitsmigration aus Italien, Griechenland, der Türkei, dann auch vom Balkan, die sogenannten Gastarbeiter.
  • Seit den 1980er Jahren kamen Flüchtlinge vor allem aus Vietnam, Afghanistan und dem Iran dazu.
  • Nach 1990 kamen viele Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion außerdem Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem früheren Jugoslawien.

Eidelstedt, wie wir es heute kennen, ist schon seit langem durch Zuwanderung geprägt. Ein italienisches Restaurant, zwei griechische, lange auch ein chinesisches. Rund um die Marktfläche beim Bürgerhaus gibt es türkische Läden und Schneidereien, in der Lohkampstraße zwei türkische Lebensmittelmärkte, einen pakistanischen Laden, ein Friseursalon und ein Wettbüro in türkischer Hand und viele mehr. Die vorwiegend türkische islamische Gemeinde hatte  lange ihre Moschee am Wiebischenkamp 23. Inzwischen ist sie gewachsen und in größere Räume an der Elbgaustr. 62 Ecke Niekampsweg gezogen.
Wir leben in einem multikulturellen Viertel.

Die Lage seit 2014 – Chronologie

  • 2014/15
    Verschiedene Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten führten zum Anwachsen der Flüchtlingsbewegung über das Mittelmeer nach Europa. Dazu gehörten der Bürgerkrieg in Syrien, die Kämpfe mit dem Islamischen Statt (IS) im Irak, die Situation in Afghanistan, die krisenhafte Lage in Libyen und Krisen in Afrika.
  • Herbst 2015
    Der leerstehende Praktiker-Markt am Hörgensweg wurde kurzfristig in eine Notunterkunft für 850 Flüchtlinge umgewandelt. Hier wurden Geflüchtete besonders aus Syrien, Afghanistan und dem Irak untergebracht. Die Nachricht löste eine große Welle von Hilfsbereitschaft in Eidelstedt aus. Viele Freiwillige kümmerten sich über Wochen um die Bewohner dieser und anderer Unterkünfte. Auch viele Angestellte aus dem Bezirksamt halfen damals in den ersten Tagen beim Einrichten der Notunterkunft.
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    Logo der Willkommensgruppe

    Schon im Sommer 2015 war im Bürgerhaus zuerst unter der Leitung der Pastorin der Elisabethkirche, Margitta Melzer, die Willkommensgruppe Eidelstedt gegründet worden, mit dem Ziel Kontakt zu den ca. 60 Geflüchteten im Furtweg aufzunehmen.

  • Oktober 2015
    Als der Praktiker-Markt kurzfristig zur Notunterkunft wurde, entstand der Runde Tisch, bei dem Vertreter aus den sozialen Einrichtungen, der Behörden, Vereine und Ehrenamtliche regelmäßig tagten. Hier wurden zur Unterstützung der Geflüchteten etliche Arbeitsgruppen gebildet, die Deutschkurse, Sportangebote, und andere Hilfen organisierten. Den Runden Tisch gibt es bis heute.
  • Jahreswende 2015/2016
    Zwei Ereignisse lösten große Skepsis und Diskussionen aus. Die sexuellen Übergriffe auf Frauen an Silvester in Köln 2015 und die Nachricht Anfang 2016, dass in Eidelstedt zwei große neue Wohnanlagen für Geflüchtete am Duvenacker und am Hörgensweg geplant wurden.
    In Hamburg wurden Bürgerinitiativen gegründet, die dieser Skepsis Ausdruck verliehen. Hamburg-weit war es die Initiative „Hamburg für gute Integration“, die Gruppe in Eidelstedt hieß: „Sozial gerechtes Eidelstedt“. Sie strebten eine Volksinitiative an und kündigten einen Volksentscheid gegen die Wohnungsbau- und Flüchtlingspolitik des Senats an. Die Initiativen sammelten dafür 26 000 Unterschriften in wenigen Tagen. Damit waren sie in einer starken politischen Position. In Verhandlungen mit dem Senat setzen sie Bürgerverträge durch.
    Das Ergebnis war, dass die Zahl der Wohnungen für Geflüchtete in allen Stadtteilen erheblich reduziert wurde. Auch wurden Zusagen über Infrastrukturprojekte gemacht, die zur Förderung der Integration finanziert werden sollten.
  • Seit 2016:
    Vom Bezirksamt wurde ein Prozess angestoßen, der unter Beteiligung von Bürgern und Einrichtungen bis Ende 2018 zu einem umfangreichen 40-seitigen Integrationskonzept führte, dass viele Maßnahmen vorsieht, um eine gute Integration zu fördern.
  • 2017
    Das geplante Gebiet für Stadtteilentwicklung im Zentrum Eidelstedts (RISE-Gebiet) wurde so erweitert, dass die Neubaugebiete für Flüchtlingswohnen eingeschlossen sind. Damit sollten zusätzliche finanzielle und personelle Mittel beschafft werden, um auch Projekte für Integration umzusetzen.
  • 2018
    Geflüchtete zogen in die neu gebauten Unterkünfte, im ersten Halbjahr zunächst an den Duvenacker und später an die Oliver-Lißy-Straße am Hörgensweg. Die neuen Bewohner halten sich schon länger in Deutschland auf und waren vorher bereits in anderen Unterkünften Hamburgs untergebracht. Da sie das Recht haben, länger in Deutschland zu bleiben, werden die Wohnanlagen auch „Unterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ (UPW‘s) genannt. Sie werden von Fördern & Wohnen betreut, einem Unternehmen der Stadt Hamburg.

Wie ist die Situation heute?

Der große Druck auf die Stadt, geflüchtete Menschen unterzubringen, hat seit 2017 deutlich abgenommen. Notunterkünfte konnten geschlossen und Wohncontainer abgebaut werden. Allerdings weiß niemand sicher, wie sich die Lage in der Welt weiter entwickeln wird.

Die beiden neu gebauten Unterkünfte an Duvenacker und Oliver-Lißy-Staße sind fast vollständig belegt, zusammen sind hier knapp 700 Geflüchtete untergebracht. Im Bürgervertrag ist festgeschrieben, dass diese Zahl schrittweise reduziert werden muss. Seit Oktober 2019 läuft ein Projekt zur Einrichtung von Bewohner-Beiräten.

Vieles wurde bereits und soll noch unternommen werden, um in Eidelstedt Integration und gute Nachbarschaft zu fördern. Im Integrationskonzept des Bezirksamts Eimsbüttel sind etliche Maßnahmen und Planungen aufgeführt. Sie reichen von Bauvorhaben der Stadt über Verbesserung von sozialen und kulturellen Angeboten bis zu kleinen Projekten von ehrenamtlichen Initiativen. Wer sich für Details interessiert, kann das ausführliche Integrationskonzept lesen.

Einerseits soll den neu zugezogenen Menschen ermöglicht werden, am gesellschftlichen Leben gleichberechtigt teilzuhaben. Das bedeutet, dass sie Unterstützung dabei erhalten, menschenwürdig zu wohnen, ihre Kinder in KiTa’s und Schulen zu geben, die Sprache zu erlernen, eine Arbeit zu finden und vieles mehr. Andererseits sollen in den Quartieren, die die neuen Nachbar*innen aufnehmen, Verbesserungen erzielt werden, von denen auch die Alteingesessenen profitieren.

Maßnahmematrix mit vielen Maßnahmen für Integration

Zu dem Integrationskonzept gehört eine lange Liste, in die alle bekannten Angebote und Maßnahmen aus Eidelstedt eingetragen sind. Die meisten gibt es bereits, einige sind geplant.

integrations-matrix

Angebots- und Maßnahme-Matrix

Die fast 80 Maßnahmen sind gegliedert in die Themenbereiche:

  • Begegnung und Kultur
  • Berufsausbildung und Arbeitsmarkt
  • Bewegung und Sport
  • Gesundheit und Prävention
  • Kinder und Jugendliche
  • Mädchen und Frauen
  • Sprache

Sie können sich hier alle Einzelheiten der Maßnahmenmatrix anschauen.

Die Matrix gibt den Stand von Integrationsmaßnahmen etwa gegen Ende 2018 wieder. Achtung: Da es sich oft um kleinere Angebote handelt, werden sich schnell Veränderungen ergeben.

Ausblick: Was weiter geschieht

Dem Bürgervertrag nach soll die Zahl der untergebrachten Menschen in den Unterkünften Ende 2019 auf jeweils 300 reduziert werden. Langfristig werden dann die ca. 150 Wohnungen, die der Unterbringung in Eidelstedt dienen, als normale Sozialwohnungen vermietet. Das wird nach und nach geschehen, indem die Bewohner eigene Mietwohnungen finden. Spätestens nach 15 Jahren sollen alle Wohnungen normal vermietet und die betreute Unterbringung beendet sein.

Inwieweit die Überlegungen des Integrationskonzeptes umgesetzt und auch wirksam werden, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Integration und Nachbarschaft lassen sich nicht auf Knopfdruck herstellen, sondern können nur gelingen, wenn die Stadt gute Voraussetzungen schafft und die Einrichtungen und Bürger aktiv mitwirken.

Autoren: Wolfgang Wallach/ Martin Elbl

Quellen und weiterführende Informationen

Allgemeines zu Integration, Flüchtlingspolitik und -hilfe, Hamburg

Integration in Eidelstedt, Ansprechstellen

Einige Einrichtungen oder Angebote, die Integration unterstützen:

Broschüren und Informationen für Einwanderer

Brochüre Gesundheitsversorgung in Deutschland

  • Gesundheitsversorgung in Deutschland – Informationsbroschüre für Migrantinnen und Migranten.
    Sie steht hier in verschiedenen Sprachen zum Download bereit

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